Die Auswirkung von Stress auf das Verdauungssystem

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Wir alle sind täglich verschiedenen Formen von Stress ausgesetzt. Einige von uns können gut mit Stress umgehen, während andere schon bei der kleinsten Abweichung von ihrer Routine aus der Fassung geraten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Stress in kleinen Dosen sogar vorteilhaft sein kann. Er kann in der Tat einem den nötigen Ansporn geben und uns sogar motivieren, das Beste zu geben, fokussiert zu bleiben, die Konzentration zu bewahren und uns wachhalten. Probleme entstehen erst dann, wenn Stress ständig oder chronisch vorhanden ist.  Obwohl Stress eine normale Reaktion des Körpers auf tägliche Herausforderungen ist, kann chronischer Stress unsere Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Ein System im Körper, das vom Stress beeinflusst werden kann, ist das Verdauungssystem, was sich in Magenkrämpfen, Blähungen, Winden, Verstopfung und Durchfall äußern kann.  Chronischer Stress erhöht die Produktion des Stresshormons Cortisol, was das Gleichgewicht der Darmmikroflora stören und Verdauungsprobleme verursachen kann. 

Das Verdauungssystem ist über das Nervensystem, das sich im Darm befindet, mit dem Gehirn verbunden. Daher nennen wir den Darm oft das „zweite Gehirn“. Dieses System kontrolliert wahrlich Verdauungsfunktionen wie die Sekretion von Verdauungssäften und die Kontraktion der glatten Muskeln im Darm. Der Darm steht zudem teilweise unter der Kontrolle des zentralen Nervensystems im Gehirn und Rückenmark. Unser Verdauungstrakt aber hat sein eigenes Nervensystem – das enterische Nervensystem. Es besteht aus den gleichen Nervengruppen wie das Zentralnervensystem, also dem Gehirn und Rückenmark. Das Nervensystem im Darm weist nicht nur eine ähnliche Zusammensetzung auf, sondern nutzt auch Neurotransmitter wie Serotonin, um mit dem Gehirn zu kommunizieren. Gerade durch ihren gegenseitigen Zusammenhang kann Stress Verdauungsprobleme auslösen oder verschlimmern und umgekehrt. Langfristige Verdauungsprobleme können zudem Stress und Ängste zusätzlich verstärken. 

Was passiert, wenn der Körper unter Stress steht?

Wenn wir uns in einer potenziell gefährlichen Situation befinden, reagiert das sympathische Nervensystem – der Teil des autonomen Nervensystems des Körpers, der Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck reguliert – indem es die „Kampf- oder-Flucht“-Reaktion auslöst und anfängt, das Stresshormon Cortisol auszuschütten.

Stress verursacht physiologische Veränderungen wie gesteigerte Wachsamkeit, beschleunigte Atmung und Herzschläge, erhöhten Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte im Blut und erhöhte Muskelspannung. Wenn Stress die „Kampf- oder-Flucht“-Reaktion auslöst, kann dies mehrere Folgen haben: 

  • es kommt zu Krämpfen in der Speiseröhre,
  • die Magensäuresekretion nimmt zu, 
  • ein Gefühl von Schwäche stellt sich ein,
  • Veränderungen im Stuhlgang treten auf (Verstopfung oder Durchfall),
  • es kommt zu Verschlechterungen von Magen-Darm-Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen, Magengeschwüren und gastroösophagealer Refluxkrankheit. 

Spezifische Anzeichen und Symptome von Stress variieren von Person zu Person, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass Stress die Gesundheit, das emotionales Wohlbefinden und die Beziehungen von Betroffenen zu anderen Menschen beeinträchtigt. Stress wirkt sich auf verschiedene Weisen auf Geist, Körper und Verhalten aus, einschließlich des Verdauungssystems, was zu Schwankungen des Körpergewichts, Kopf- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen und Veränderungen von mentalen Funktionen führen kann.

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Welche tatsächlichen Auswirkungen hat Stress auf den Darm? 

Zahlreiche Studien zeigten, dass stressige Lebensereignisse mit dem Auftreten oder der Verschlimmerung von Symptomen verschiedener Erkrankungen des Verdauungssystems wie entzündlichen Darmerkrankungen (IBD), Reizdarmsyndrom (IBS), gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und Magengeschwüren verbunden sind.  Auch Verstopfung kann die Folge sein.

Entzündliche Darmerkrankungen

Studien haben gezeigt, dass chronischer Stress, negative Lebensereignisse und Depressionen das Risiko eines erneuten Auftretens von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erhöhen können. Diese Studien haben aber auch mehrere Mechanismen identifiziert, über die Stress die systemische und gastrointestinale Immun- und Entzündungsreaktion beeinflusst. 

Reizdarmsyndrom

In einer prospektiven Kohortenstudie mit fast 600 Personen, bei denen die Campylobacter-Bakterie eine Gastroenteritis verursachte, stellten die Forscher fest, dass die Fähigkeit des Patienten, Stress vor der Infektion zu bewältigen, ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Reizdarmsyndroms war. Patienten mit höherem wahrgenommenem Stress, Ängstlichkeit und negativen Überzeugungen über die Krankheit während der Infektion waren anfälliger für die Entwicklung des Reizdarmsyndroms. 

Gastroösophageale Refluxkrankheit

Eine Studie, die im medizinischen Zentrum für Frauengesundheit durchgeführt wurde, zeigte, dass Personen unter akutem Stress nicht häufiger an Reflux erkrankt sind. Bei chronisch ängstlichen Patienten ist es jedoch wahrscheinlicher, dass sich die Symptome während stressiger Ereignisse verschlimmern. Mit anderen Worten beeinflusst ihre Stimmung ihre Wahrnehmung der Schwere der Symptome.

Peptische Geschwüre

Die meisten Geschwüre werden durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht.  Im Gegensatz zur landläufigen Meinung entstehen Geschwüre weder durch den Verzehr von würzigen Lebensmitteln noch durch einen stressigen Lebensstil. Das Bakterium H. pylori schwächt die schützende Schleimschicht der Speiseröhre, des Magens oder des Zwölffingerdarms, sodass Magensäure in das Innere eindringen kann. Sowohl Säure als auch Bakterien reizen die Schleimhaut und verursachen Entzündungen oder Geschwüre. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass anhaltender Stress zu einer Entzündung der Schleimhaut führen kann, wodurch Magensäfte die empfindliche Magenschleimhaut reizen können.

Andere Verdauungsprobleme

Stress erhöht die Beweglichkeit des Darms und die Ausscheidung von Flüssigkeit. Daher kann es während oder nach einem Stressereignis zu Durchfall oder häufigerem Harndrang kommen. Stress kann aber zugleich die Entleerung des Mageninhalts verlangsamen und auch seine Passage durch den Darm beschleunigen. Diese Kombination verursacht leicht Bauchschmerzen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten. 

  • Verstopfung

Der Verdauungstrakt ist mit glatter Muskulatur ausgekleidet. Diese Muskeln ziehen sich unwillkürlich in wellenförmiger Bewegung zusammen, die als Peristaltik bezeichnet wird. Durch diese Kontraktion kann sich die Nahrung durch das Verdauungssystem bewegen. Die Peristaltik wird ausgelöst, wenn der Körper das parasympathische Nervensystem verwendet. Wenn der Körper allerdings unter Stress steht, geht er in die „Kampf oder Flucht“-Reaktion über. In diesem Fall ist der Körper nicht mehr auf die Peristaltik konzentriert, was zu Verstopfung führen kann. 

  • Leaky-Gut-Syndrom (durchlässiger Darm)

Die Zellen, die unseren Darm auskleiden, wirken als Barriere gegen Schadstoffe und Krankheitserreger. Unter dem Einfluss von Stress kann jedoch die Durchlässigkeit dieser Zellen erhöht werden. Je größer der Stress ist, desto leichter können unerwünschte Substanzen in unseren Darm eindringen. Dieser Zustand wird als „Leaky-Gut-Syndrom“ bezeichnet. 

  • Blähungen

Wenn der Körper auf Stress reagiert, gibt er dem Gehirn und den Muskeln Vorrang. Die Durchblutung dieser Bereiche nimmt zu, während die Blutzufuhr zum Darm abnimmt. Dadurch kann die Fähigkeit des Verdauungssystems, seine Aufgaben zu erfüllen, beeinträchtigt werden. Ohne Durchblutung wird die Bewegung durch den Verdauungstrakt erschwert, was zu Blähungen führen kann. 

  • Dysbiose der Darmmikrobiota

Das Gleichgewicht der Darmbakterien wird durch die Ernährung und die allgemeine Darmgesundheit beeinflusst. Wenn der Verdauungstrakt von einem der oben genannten Symptome betroffen ist, werden auch die nützlichen Darmbakterien leiden. Studien zeigten, dass es eine regelmäßige Kommunikation zwischen Gehirn, Darm, Immunsystem und Darmmikrobiota gibt. Glücklicherweise können wir mit der richtigen Ernährung die negativen Auswirkungen von Stress auf das Gleichgewicht der Darmmikrobiota abmildern. 

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Tipps für Patienten

Der erste Schritt im Umgang mit Stress und Verdauungsproblemen besteht darin, die Ursachen des Stresses zu erkennen und Wege zu finden, ihn zu reduzieren oder zu kontrollieren. Dazu gehören unter anderem Änderungen des Lebensstils wie regelmäßige Bewegung, Meditation oder tiefe Atemtechniken. 

Neben der Stressbewältigung ist es wichtig, auf die Gesundheit des Verdauungssystems zu achten. Dazu gehören eine gesunde, ballaststoffreiche und vollwertige Ernährung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch viel Wasser. Man sollte außerdem verarbeitete Lebensmittel, Koffein und Alkohol meiden, da diese das Verdauungssystem reizen und die Symptome verschlimmern können

Wenn die Symptome anhalten, wird ein Besuch beim Gastroenterologen und die Durchführung von Untersuchungen wie einer Koloskopie oder Endoskopie empfohlen, um die Ursache der Symptome zu ermitteln und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Nachfolgend finden Sie einige Tipps, die sehr hilfreich sein können.

  • Regelmäßige körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität reduziert Verspannungen und regt die Ausschüttung von Endorphinen an, die als natürliche Analgetika wirken. Endorphine verbessern den Schlaf, was helfen kann, Stress abzubauen. Dies ist eine der besten Möglichkeiten, mit Stress umzugehen und ein gesundes Verdauungssystem aufrechtzuerhalten. 

Eine im Januar 2022 im Journal of Affective Disorders veröffentlichte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und Angstsymptomen. In dieser Studie ordneten die Forscher 286 Personen mit Angstzuständen nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zu: Die erste nahm dreimal pro Woche an einem dreimonatigen Programm mit mäßiger bis intensiver körperlicher Betätigung teil, die zweite absolvierte für die gleiche Zeitspanne die gleiche Menge an körperlicher Betätigung, jedoch mit geringerer Intensität, und die dritte Gruppe, die Kontrollgruppe, beteiligte sich nicht an sportlichen Aktivitäten. Am Ende des Zeitraums der Studie besserten sich die Angstsymptome in beiden Gruppen, die sich körperlich betätigt haben, stärker als in der Kontrollgruppe, sodass die Forscher zu dem Schluss kamen, dass auch weniger intensive körperliche Aktivität vorteilhafter für Angstzustände ist als ein sitzender Lebensstil.

  • Yoga

Diese Übung für Körper und Geist kombiniert verschiedene Positionen mit Atemtechniken und Meditation. Wie eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, die im International Journal of Preventive Medicine veröffentlicht wurde, erlebten Frauen, die dreimal pro Woche eine Stunde lang Hatha-Yoga praktizierten, nach insgesamt 12 Trainingseinheiten eine deutliche Reduzierung von Stress, Angstzuständen und Depressionen. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass Yoga den Blutdruck und die Herzfrequenz senken kann. Außerdem kann Yoga auch für Menschen mit Verdauungsstörungen hilfreich sein. Eine im Jahr 2022 veröffentlichte Übersichtsstudie zeigte, dass Yoga gut dazu beiträgt, Stress, Angstzustände und Depressionen zu reduzieren und die Lebensqualität von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen zu verbessern.

  • Meditation

Unterschiedliche Meditationstechniken können Ihnen helfen, Ihren Geist auf ein bestimmtes Objekt, eine Aktivität oder einen Gedanken zu lenken, um Gelassenheit zu erreichen. Obwohl das Ziel der Meditation nicht darin besteht, Stress abzubauen, ist es ein Nebeneffekt dieser alten Praxis. 

  • Guter und regelmäßiger Schlaf

Einige Studien zeigen, dass Melatonin „erhebliche Schutzwirkungen“ gegen stressbedingte Schäden im Verdauungstrakt hat. Obwohl Melatoninpräparate nachweislich nicht den Schlaf fördern, produziert der Körper dieses Hormon auf natürliche Weise, wenn es dunkel ist – ein guter Grund, vor dem Schlafengehen alle Bildschirmgeräte auszuschalten und den Raum abzudunkeln. Ein regelmäßiger siebenstündiger Schlaf kann helfen, Stress abzubauen.

Fazit:

Übermäßiger Stress kann sich auf die Gesundheit des Verdauungssystems auswirken. Symptome wie Blähungen, Verstopfung, Sodbrennen und ein unangenehmes Gefühl im Magen können Anzeichen dafür sein, dass Sie mehr Stress ausgesetzt sind, als Sie denken. Stress kann auch weniger offensichtliche Auswirkungen haben, wie die Verringerung der Anzahl guter Darmbakterien und eine erhöhte Produktion von Magensäure. Obwohl ein gewisser Stress im täglichen Leben unvermeidlich ist, gibt es viele Möglichkeiten, ihn zu bewältigen und zu reduzieren. Wenn Sie sich des Stresses bewusst sind und aktiv damit umgehen, werden Ihr Gehirn und Ihr Darm glücklicher und gesünder sein.

Literaturhinweise

  • Mayer, EA. The neurobiology of stress and gastrointestinal disease. Gut 2000;47;861-869.
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  • Naliboff BD, Mayer M, et al. The effect of life stress on symptoms of heartburn. Psychosomatic Medicine 2004;66:426-434.
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